CANTIENICA®-Blog

Tag 3 in Kigali

Einen Wecker braucht es hier nicht. Kurz nach 05.00 Uhr fangen die Vögel an zu zwitschern. Vor dem Tagesanbruch verstummen sie, und 05.58 legen die lautesten Vögel los. Eine Stimme hielten Fred-Marc und ich für einen sehr exquisiten und sehr aufdringlichen Telefonklingelton. Wenn es mein Programm zulässt, schaffe ich den Stimmenfang per iPhone, und die vogelkundigen unter Ihnen können mir sagen, was da so lautmalerisch weckt.


Unterwegs mit dem Moto Taxi


Kaffee, Papaya, Apfelbananen, Malariaprophylaxe und los geht’s. Zu Fuss bis zur geteerten Strasse, und schon sind die Moto Taxis da. Bergauf zum Spital “We act for hope”, ein Spin-off der NGO-Kette “We act”. Der Motolenker lässt sich lange Zeit, um mir zu beweisen, dass sein Roller Bremsen hat. Dafür ist der Helm ziemlich neu, ich kann durch das Visier sehen.

“We act for hope” ist die Wirkungsstätte von Dr. Mardge Cohen aus Chicago. Das Spital behandelt ausschliesslich HIV-positive Menschen, präventiv und akut. Wir sehen energiestrotzende Kinder und schwache alte Männer, wobei alt hier relativ ist. Eine akut erkrankte Frau im fortgeschrittenen Stadium sieht mit 35 sehr alt aus, sie ist am Erblinden und wird von zwei anderen Frauen gestützt. Die Gruppe nimmt den Hinterausgang, versteckt zwischen allerlei Shops. “Wir machten den Eingang, weil viele Menschen sich weigerten, durch den Haupteingang zu kommen”, erklärt Chantal Benekigeri, die Klinikdirektorin. HIV-Positive und Aidskranke würden stigmatisiert, ergänzt Deirdre. Es falle vielen Eltern schwer, ihren Kindern zu sagen, dass sie HIV-positiv zur Welt kamen, und wenn sie es endlich sagen müssen, so sei das eine Katastrophe für die Jugendlichen. Dr. Cohen: “Es ist eine doppelte Katastrophe, denn wenn die retroviralen Medikamente früh in der Kindheit verabreicht werden, so ist die vollkommene Genesung möglich, diese Kinder können als Erwachsene ein normales Leben führen.”


Haupteingang der Klinik von der Hauptstrasse aus.


Wir lernen in der Klinik mehrere Männer kennen, die selber das Programm der Klinik als HIV-positive Kinder durchliefen, heute gesund sind und als Assistenten das Programm von Dr. Cohen durchführen: Die psychologische Betreuung von Gruppen. Basierend auf einer WHO-Studie über geschlechtsspezifische Gewalt hat sie ein erfolgreiches Programm erarbeitet: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lernen, ihre Glaubenssätze zu erkennen, Mardge nennt sie “kulturelle Mythen”. Die Teilnehmerin/nen identifizieren die eigenen Gefühle und was sie mit ihnen machen, wie sie handeln. In spielerischen Experimenten werden Gedanke, Gefühl, Verhalten neu geprobt, bis sie sitzen.


Die Patient/innen benützen lieber den Seiteneingang.


Einfaches Beispiel: Die Männergruppe wird gefragt, ob es okay sei, wenn ein Mann seine Frau hin und wieder schlägt. Praktisch alle gehen auf die Ja-Seite.

Die Frauengruppe muss die gleiche Frage beantworten. Fast alle gehen auf die Ja-Seite.

Nun wird informiert, argumentiert, diskutiert, ausprobiert, es wird geweint, gelacht, geschimpft, vor allem wird nicht aufgegeben, bis alle überzeugt auf der Nein-Seite stehen.

Für die Frauen bedeutet das eine vollkommene Umkehr von Unterdrückung zu Selbstbewusstsein, von Abhängigkeit zu Autonomie. Die Klinik “We act for hope” zeigt den Erfolg der Arbeit: Wir treffen an den leitenden Stellen mehr Frauen an als Männer, alles Ruandesinnen.

Eine wichtige Schaltstelle in diesem Programm, das den ganzen Menschen sieht und betreut, ist Deirdre Summerbells Yoga-Programm: Embodiment ist entscheidend, um die neuen Verhaltensweisen im eigenen Leben wirklich zu verankern.

“We act for hope” wird inzwischen von der ruandischen Regierung mitfinanziert, Hauptsponsor ist das National Institute of Health. Behandlungen und Medikamente sind für alle kostenlos.

Project Air lebt von Spenden.


Spendenkonto


PROJECT AIR RWANDA WIRE TRANSFER INFORMATION Bank Name: COGEBANQUE SWIFT-BIC Code: CGBKRWRW Bank Address: CENTENARY HOUSE, B.P. 5230 KIGALI Country: RWANDA Account Number: 130-0156966 USD Account Name: PROJECT AIR

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