Embodiment

 

Die Wechselwirkung von Körper, Seele, Geist, Verstand, Emotionen. Eine komplexe Geschichte.

Text: Sandra Cantieni

CANTIENICA® – Embodiment pur

Circa 2001 begegnete ich dem Begriff „Embodiment“ zum ersten Mal, als ich auf dem Weg zur Uni durch die Zürcher Bahnhofshalle schritt. Auf dem Areal wurde gerade eine Präsentation der ETH Zürich eröffnet, Science City, eine Veranstaltung, die dazu konzipiert war, Laien die Wissenschaft näher zu bringen. Raus aus dem Elfenbeinturm hin zu den Leuten, war das Motto. Ich blieb an einem Stand stehen, an dem Studenten ein überdimensioniertes Roboterinsekt fliegen ließen und fragte, was sie damit vorhaben. Die Studenten erklärten mir das Prinzip Embodiment ungefähr so: Sie hatten jahrelang beobachtet, analysiert, gerechnet und getüftelt, ein Modell entwickelt, wie sich die gemeine Hausfliege optisch im Raum orientiert. Um ihre Ergebnisse zu verifizieren und mehr herauszufinden über die Funktionen des Fliegenauges, kamen sie zum Schluss, dass sie die Theorie in einen Körper packen mussten, sehen, ob ihr Modell funktioniert.

Diese Beschreibung taugt sehr gut für einen Vergleich mit der Arbeitsweise von Benita Cantieni. Sie beobachtet den lebendigen Menschen, analysiert die Bewegungen, leitet Thesen ab, transponiert ihre Visionen in ihren Körper und probiert, sammelt Erfahrungen, spürt, was funktioniert, beobachtet, analysiert von Neuem, verfeinert ihre Thesen, setzt sie um, teilt ihre Erfahrungen mit, forscht, was bei Anwender/innen funktioniert, optimiert. Das ist Embodiment.

Körper, Geist, Seele – was war zuerst?

Wie Körper, Geist und Seele zusammenspielen, sich ergänzen und bedingen, beschreibt das Buch Embodiment aus verschiedenen Perspektiven. Körper, Geist, Verstand, Seele, Emotion, bilden ein komplexes Gesamtpaket. Eins beeinflusst das Andere. Bin ich schlecht drauf, sieht man es meiner Haltung an. Die Umgebung behandelt mich entsprechend. Meine miese Laune signalisiert „komm mir nicht zu nahe“. Bin ich verliebt, strahle vor Glück, erblüht auch mein Äußeres. Die Gute Laune wirkt anziehend.

Was vielen vielleicht nicht so ganz bewusst ist, der Spieß lässt sich umdrehen. Und diese Erkenntnis ist Gold wert: die Umkehrung funktioniert auch. Senden Sie Ihrem Glück adäquate Signale – Körper aufrichten, Mundwinkel auf Lächeln stellen, Brust öffnen, Becken aufrichten, den schönsten Gang einlegen – voilà, so und nicht anders entsteht Ausstrahlung. Wie Sie auf die Welt schauen, schaut die Welt zurück.

Ist das leichter gesagt als getan? Der Kummer sitzt tief, das Lachen ist Ihnen vergangen? Ihr Körper schmerzt bei jeder Bewegung, aufrichten fällt Ihnen schwer?

 

 

Wie stehen Sie zu Ihrem Körper?

Was sind Sie für ein Typ? Eine kleine Selbstbefragung, bevor es zur Sache geht.

Wenn ich Schmerzen habe…

 ignoriere ich diese.

 Ich nehme eine Schmerztablette.

 Ich gehe den Ursachen auf den Grund.

 Ich gehe zum Arzt.

 Ich weiche den Schmerzen aus.

 Ich gehe zum Therapeuten.

 Ich suche Linderung im Sport.

 Ich „rede“ mit meinem Schmerz.

 Ich habe mich bereits an die Schmerzen gewöhnt.

 Schmerzen sind normal.

 Ich schone mich, bis der Schmerz weg ist.

Der Schmerz ist die Sprache des Körpers

Gemäß Benita Cantieni ist der Schmerz die Alarmanlage des Körpers, und als Alarmanlage ist der Schmerz zuerst immer einer, der es gut mit Ihnen meint. Er gibt Ihnen Feedback und teilt Ihnen mit, dass ihm etwas, was Sie machen, nicht gefällt.

Schmerzen waren Benita Cantienis Alltag. Mit 43 stand sie vor der Entscheidung: mehrere künstliche Gelenke und die Wirbelsäule versteifen oder ... Sie entschied sich für Oder und erforschte ihren Körper durch Beobachtung. Sie sagt: „Als Journalistin übte ich 30 Jahre lang die unvoreingenommene Beobachtung. Die wandte ich jetzt einfach für die Körperbeobachtung an.“ 1997 schrieb sie das erste Buch, „Tigerfeeling – Das sinnliche Beckenbodentraining“, traf einen Nerv der Zeit, wurde mit Anfragen für Ausbildungen bestürmt, gründete die „CANTIENICA® – Methode für Körperform & Haltung“ ein völlig neues anatomisch begründetes Trainingskonzept, das dem Körper Beweglichkeit und Kraft schenkt.

25 Bücher später schreibt Benita Cantieni Buch „Tigerfeeling für den Rücken“: „Ein Schmerz wie beispielsweise ein Hexenschuss nach einer falschen Bewegung, ist in erster Linie ein Freund. Wenn ich mit ihm rede, gibt er mir eine Antwort. Wenn ich ihn mit Tabletten mundtot mache, erhalte ich kein Feedback.“ Wer den Schmerz als Informanten akzeptiert, bekommt mit der Zeit sehr differenzierte Rückmeldungen. Ich zitiere nochmals die Autorin: „Für das Wort ‚Schmerz’ sollte es viel mehr Ausdrücke geben. Bei der Körperarbeit entpuppt sich so mancher Schmerz als etwas anderes, als Wohlweh, Veränderungsweh, eine Entwicklungssensation.“ Der Schmerz ist ein ausgezeichneter Kommunikator, so man ihn zu Wort kommen lässt.

Stellen Sie sich Schmerzen so vor, wie die Warnleuchte an einem Haushaltgerät, ein Störgeräusch im Getriebe, das Blinken der Leuchtdioden am Armaturenbrett. Sie schalten das Signal nicht einfach aus, sondern gehen der Sache nach. Sie kümmern sich um die Betriebsstörungen, um Schäden zu vermeiden. Genauso verhält es sich mit Schmerzen.

Tipp bei ersten Symptomen, egal auf welcher Ebene: Auf keinen Fall ignorieren, betäuben oder schonen. Im Gegenteil. Jetzt ist es höchste Zeit, das Getriebe in Gang zu bringen.

 

CANTIENICA®-Methode – der integrale Ansatz

Die CANTIENICA®-Methode ist ein Trainingsprogramm, eine Anleitung zur Selbstheilung. Jede Übung entsteht aus den Knochen. Die Knochen werden so sortiert, wie es der individuelle Bauplan vorsieht. Die Knochen werden dabei auch umgeformt. Wenn sich nichts gegenseitig stört oder behindert, wenn alle Knochen und Gelenke freistehen und ihre Aufgabe perfekt erfüllen können, werden automatisch 100 % der Muskeln, Faszien, Sehnen, Bänder erreicht, gedehnt, gekräftigt, bewegt. Nervenbahnen werden nicht gequetscht, der Spinalkanal kann sich auf- und ausrichten, die Wirbel legen sich wieder übereinander, die autochthone Muskelstruktur entlang der Wirbelfortsätze kann seine Haltefunktion aktiv übernehmen. Durch die Auf- und Ausrichtung des Beckens wird die Mitte gestärkt, die Bauchmuskulatur gekräftigt. Der trainierte Muskelgürtel um die Mitte schützt und stützt den Rücken.

Das eigentliche Kunststück, das Benita Cantieni gelingt, ist die exakte Beschreibung der Übungen. Wie verpackt man die Anweisungen in Formeln, die den Anwender, die Anwenderin Übung für Übung über sich hinauswachsen lässt?

Es gibt Tausende Angebote zur Körperertüchtigung, paradox, dass Rückenbeschwerden, Spannungskopfschmerzen, Migräne, Prothesen ständig zunehmen. Dieser Umstand war für die erfolgreiche Journalistin Grund genug, gegen den Strom und gegen die Trends zu schwimmen.

Provention, Vivatomie – Prämissen und Herangehensweise

Benita Cantieni begnügt sich nicht mit Symptombehandlung, für sie ist der gute Gebrauch des Körpers ein 24-Stunden-Konzept, unerlässlich für die nachhaltige Gesunderhaltung des Körpers. Und sogar mehr als Prävention, die auf die Vermeidung von Krankheiten bedacht ist. Ihr Ansatz ist proventiv, ideal für Menschen, die Gesundheit als Auftrag verstehen, Menschen, für die Eigenverantwortung kein Fremdwort ist. „Es ist ein völlig anderer Denkansatz“, sagt die Körpertrainerin. „Prävention im landläufigen Sinne richtet den Blick auf Krankheit und Schmerzen. Prävention wie ich sie verstehe, richtet sich auf Wohlbefinden, die Freude an einem kräftigen Körper, seine Leistungsfähigkeit und Beweglichkeit. So verstanden kann Prävention sogar sexy sein.“

Ihre Beobachtungen und Rückschlüsse gehen vom lebendigen, gesunden, dynamischen Menschen aus, Benita Cantieni skizziert mit ihrer „Vivatomie“ ein idealtypisches Modell vom Menschen, bei dem das Skelett ideal auf- und ausgerichtet ist, bei dem der Tonus von Fuß bis Kopf stimmt, ein Kerl, der sich reaktionsschnell, fit und geschmeidig bewegt, bei dem jeder Muskel wie eine Feder bereit ist, gebraucht zu werden. Wo alle Reize, Synapsen, Ströme ungehindert und blitzschnell fließen. Auf dem kürzesten Weg. Das setzt voraus, dass die Mechanik nirgends klemmt. Ihre präzisen und ausgeklügelten Anleitungen implizieren ebendiese ideale Aufspannung. Das Wiederholen und Visualisieren mobilisiert das Körpergedächtnis, denn dieser Bauplan ist in der DNA bereits angelegt. Kinder besitzen eine gerade Wirbelsäule. Sie verfügen über Energie ohne Ende, sie sprühen vor Bewegungslust, stillsitzen muss mühsam andressiert werden. Der ursprünglichen Bestimmung des Körpers eine Bahn zu brechen, ist das Ziel, das sie mit der Etablierung der CANTIENICA®-Methode verfolgt. Den körperlichen Effort muss natürlich jeder selber für sich leisten.

Links:  Typische anatomische Darstellung.  

                             

Rechts:  Idealtypische vivatomische Darstellung

               nach Benita Cantieni.

©CANTIENICA AG/Verlag Südwest, Fotos: Forster & Martin, München

CANTIENICA AG

Seefeldstrasse 215

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